Was verdient ein Berufsbetreuer 11


Die Stundensätze des Berufsbetreuers sind gesetzlich geregelt und richten sich nach der beruflichen Qualifizierung. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Ausbildung oder das Studium für die Betreuung relevante Kenntnisse vermittelt hat. Ein Architekt zum Beispiel erhält trotz Studium zum Beispiel nicht den höchsten Satz.

Es gelten folgende Stundensätze:

  • Stufe 1 (Mindeststundensatz) 27,–€,
  • Stufe 2 Abgeschlossene Lehre und besondere Kenntnisse, die für die Führung von Betreuungen nutzbar sind 33,50 €,
  • Stufe 3 Besondere Kenntnisse und abgeschlossene Ausbildung an einer Hochschule 44,–€.

Sogenannte vermögende Betreute müssen die Kosten der Betreuung aus ihrem Vermögen bezahlen. Wer vermögend ist orientiert sich an den Richtlinien für Sozialhilfe. Bei Mittellosen, also wenn das „Vermögen“ unterhalb der Sozialhilfegrenze (Derzeit 2.600 € für Alleinstehende und 3.214 Euro für Ehepaare) liegt, wird die Betreuervergütung von der Staatskasse übernommen.

Im ersten Jahr nach Übernahme der Betreuung wird ein höheres Stundenkontingent vergütet als in den folgenden Jahren. Differenziert wird zusätzlich danach, ob der Betreute in einem Pflegeheim, einer Einrichtung oder in der eigenen Wohnung lebt.

Dabei schwanken die bezahlten Stunden zwischen maximal 8,5 Stunden im Monat zu Beginn einer Betreuung bis mindestens 2 Stunden im Monat nach einem Jahr.

Aber wird man dabei reich?

Aus den Vergütungssätzen sind alle Aufwendungen der Betreuers (Büromiete, Fahrkosten, Porto, Telefonkosten, Versicherungen usw.) enthalten. Dabei ist es unerheblich ob der Betreuer den höchsten oder den niedrigsten Satz erhält. Außerdem muss man als Selbständiger natürlich noch seine Krankenversicherung zahlen und für die Rente muss auch was beiseitegelegt werden. Ganz zu schweigen vom Finanzamt, das Einkommenssteuer kassieren möchte.

Pauschal kann man sagen, dass man etwa 40-50 Betreuungen bei durchschnittlich etwa drei bis vier Vergütungsstunden pro Betreuung in der höchsten Vergütungsstufe benötigt, um einigermaßen auskömmlich davon zu leben.

Im Netz liest man manchmal, dass man als Betreuer tausende von Euros verdienen würde. Da werden Zahlen im fünfstelligen Bereich genannt, wenn etwa 80-100 Betreute hätte. Diese Verdienstzahlen sind völlig übertrieben.

Zunächst mal kann man Betreuungen von 80-100 Menschen nicht vernünftig führen, wenn man nicht Mitarbeiter eingestellt hat, die einen Großteil der Verwaltungstätigkeit übernehmen. Außerdem ist der regelmäßige persönliche Kontakt zu den Betreuten vorgeschrieben. Wie oft hängt vom Einzelfall ab. Das kann alle 4-6 Woche sein oder auch nur 3-4 mal im Jahr.

Wenn man mal annimmt, dass bei 100 Betreute durchschnittlich alle acht Wochen etwa 30 Minuten persönlicher Kontakt stattfindet und nochmal die gleiche Zeit für An- und Abfahrt, dann sind das schon etwa 12 Stunden wöchentlich nur für Fahrzeiten und Besuche. Und das ist eher niedrig angesetzt. Da der Verwaltungsaufwand bei Betreuungen oft sehr hoch ist, ist das ohne Personal nicht zu schaffen.

Wenn man also noch Personal und die ganzen oben aufgeführten Kosten bezahlen muss, dann bleibt von den angeblich fünfstelligen Verdiensten vielleicht die Hälfte übrig und davon muss man immer noch seine Kranken- und Rentenversicherung und seine Einkommenssteuern zahlen, so dass der Nettoverdienst auch bei einer großen Betreuungszahl auf ein Normalmaß sinkt.

Ganz davon abgesehen, wird meist schon seitens der Gerichte und Betreuungsbehörden darauf geachtet, dass ein Betreuer nicht zu viele Fälle hat. Es gibt Bezirke, wo ein Betreuer nicht mehr als 40 Fälle zugeweisen bekommt. Außerdem werden den Berufsbetreuern eher die schwierigen Fälle zugewiesen.

Schauen wir also nochmal eine realistische Betreuungszahl von 50 Fällen an.

Bei durchschnittlich 3,3 bezahlten Stunden pro Betreuung und Monat bekommt man Brutto 7260,- Euro im Monat in der höchsten Vergütungsstufe (Mit Studium). In der niedrigsten Stufen wären es nur noch 4455,- Euro. Die ganzen Betriebsausgaben (Büromiete, Fahrkosten, Porto, Telefonkosten, Versicherungen usw.) kann man grob geschätzt mit 1500,- Euro ansetzen. Vom Rest muss dann noch Kranken-, Rentenversicherung und Einkommenssteuer gezahlt werden.

Es kann sich jetzt jeder selber ausrechnen, was für den eigenen Lebensunterhalt verbleibt.

Beispiel 1:
Der Betreuer ist von Beruf Altenpfleger und übernimmt einen Betreuungsfall. Der vermögende Betreute ist altersdement, kann aber weiterhin in seiner Wohnung versorgt werden. Der Betreuer organisiert die erforderlichen Hilfestellungen wie Essen auf Rädern, Haushaltshilfen über Sozialstation oder Nachbarschaftshilfe, ärztliche Versorgung usw.

Vergütung im 1.Jahr: 82,5 Stunden x Stundensatz 33,50 € = 2.763,75 € (brutto)

Vergütung ab 2.Jahr: 54 Stunden x Stundensatz 33.50 €=1809,- € (brutto).

Beispiel 2:
Der Betreuer ist Sozialpädagoge (Vergütungsstufe 3). Er übernimmt seinen ersten Betreuungsfall. Der mittellose Betreute lebt bereits in einem Pflegeheim. Der Betreuer muss die Einstufung in die Pflegeversicherung und Sozialhilfe beantragen, die Heimkosten monatlich überweisen usw.

Vergütung im 1.Jahr: 42 Stunden x Stundensatz 44,- € =1848- € (brutto)

Vergütung ab 2.Jahr: 24 Stunden x Stundensatz 44,- € =1056,- € (brutto)

Urheberrecht: bialasiewicz / 123RF Stockfoto

Von Betreuern wird ein regelmäßiger persönlicher Kontakt zu den Betreuten erwartet. Urheberrecht: bialasiewicz / 123RF Stockfoto


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11 Gedanken zu “Was verdient ein Berufsbetreuer

  • admin Beitragsautor

    Man sollte etwa 3 bis 3,5 bezahlte Monatsstunden im Schnitt pro Betreuungsfall erreichen. Das heißt bei 40 Betreuten bekommt man vorsichtig gerechnet in der höchsten Stufe 3 x 40 = 120 Stunden x 44 Euro = 5.280 Euro brutto im Monat vergütet. Das entspricht von den vergüteten Stunden etwa einer 75% Stelle. Der tatsächliche Arbeitsaufwand kann je nach Art der Fälle durchaus auch mal Stunden haben.
    Von der Vergütung muss man etwa 25-40 % für Auslagen wie Versicherungen, Autokosten, Bürokosten (ohne Miete), Büromaterial, Telefon, Porto usw. abziehen. Das kommt auch auf den Organisationsgrad an. Verbleiben also etwa 3.200 bis 3.960 Euro zu versteuerendes Einkommen vor dem Abzug von Altersrücklagen und Krankenversicherung. Das ist kein Luxuseinkommen, aber ich denke schon, dass man davon leben kann.
    Natürlich kommt es auch immer darauf an, wie groß die Familie ist, die man ernähren muss und welche Bedürfnisse man hat. Ein zweites Standbein bzw. ein weiteres Familieneinkommen kann sicher nicht schaden.
    Bei den niedrigen Vergütungsstufen kann es dann schon enger werden. Das genannte Beispiel würde in der niedrigsten Stufe nur noch 3.240 Euro brutto ergeben. Das ist schon deutlich weniger.

  • kai bütow

    In Nürnberg werden Betreute zu Opfern durch Rechtsawälte die nicht nur ihte Auslagen und die Pauschale kassieren ohne auch nur eimal im Jahr nach IHREN BETREUTEN persönlich zu sehen! Dazu kommt das Rechtspfleger weder kontrollieren können oder in der lage wären den gerissenen Rechtverdrehern, selbst wenn sie wollten auf die schliche zu kommen. bei den Opfern die mir bekannt sind werden über Pflegedienstabrechnungen die nie in erbracht wurden bis zu 3.500,– „legel“vom Konto geräumt. Wenn das Geld „verpflegt“ wurde und das Häusle günstig an den Kumpel versherbelt wurde, dann wirde Zwangsunterbringung beantragt. Und der Betreuer Rechtsanwalt, kümmert sich um seine nächsten Opfer. Ein gutes zubrot sind auch die Wechselspielchen mit dem Kollegen Rechtsanwalt der den Verfahrenspfleger „mimt“ und beim Bezirksrevisor das zigfache an Vergütung beantragt als ihm zustehen würde….

    In jeder Großstatt passiert dies Stündlich! In einer Kleinstadt gibt es keine Rechtsnwälte als „Berufsbetreur“!!!

    PS. Seit ich im Forum Rechtspfleger und Forum für betreuungen bin, es gibt einige gute Berufene. Aber Rechtsanwälte sind nicht darunter. Eine Schande .

  • admin Beitragsautor

    Ich hab den Kommentar erstmal zugelassen obwohl die Vorfwürfe sehr pauschal sind. Wenn Sie Beweise für ihre Vorwürfe haben, sollten Sie zur Staatsanwaltschaft gehen. Oder zur Pflegekasse, wenn Sie wissen, dass falsch abgerechnet wird.
    Es gibt überall schwarze Schafe, das hat überhaupt nichts mit dem Beruf oder dem Sitz zu tun. Eher damit, dass Gerichte überfordert sind und leider nicht immer im Detail die Rechnungslegungen prüfen.
    Ich behalte mir aber vor, den Kommentar zu löschen, wenn Sich jetzt hier eine Diskussion entwickelt.

  • H. Wipfler/Berufsbetreuer

    Das ist eine realistische Einschätzung. Bei 50 Berufsbetreuungen ist mit einem Netto von 3500 bis 4500 Euro zu rechnen. Verglichen mit einem Vollzeitbeamten A11 ähnlich, da dieser ja Beihilfe erhält und gute Pensionsansprüche hat. Die gefühlte und erlebte Freiheit aber im Kopf und im Alltag stellt aber einen Mehrwert dar, der einem Netooverdienst von 5000 entspricht, was einem schon ein zufriedenes Leben bescheren kann aber natürlich nicht muss..

  • admin Beitragsautor

    Ja die relative Unabhängigkeit hat viele Vorzüge. Erfordert aber auch Selbstdisziplin.

  • Helmut Hemmer

    Meine Freundin möchte ihre Betreuerin abbestellen, weil sie jetzt wieder allein klar kommt und keine Hilfe mehr benötigt.
    Kann sie die Betreuerin selbst bei Gericht abbestellen.

  • admin Beitragsautor

    Die Betreffende kann beim zuständigen Betreuungsgericht eine Aufhebung der Betreuung beantragen. Wenn sie selber die Betreuung beantragt hat, muss sie aufgehoben werden (§1908d Abs. 2 BGB). Andernfalls wird das Gericht die Betreuerin dazu anhören und möglicherweise ein Gutachten zur Überprüfung der Notwendigkeit einer Betreuung beauftragen.
    Am sinnvollsten wäre es, wenn die Betreffende zunächst mit der Betreuerin darüber spricht.
    Falls die Betreuerin es auch so sieht, dass die Betreuung nicht mehr nötig ist, dann mÜsste sie dem Gericht gemäß § 1902 Abs. 5 BGB die Aufhebung der Betreuung oder Reduzierung der Aufgabenkreise vorschlagen.